Angst am Netz

Roger Federer
© Hasenkopf

Fra­ge an Ste­phan Medem: Hal­lo Ste­phan! Ich möch­te mei­ner Toch­ter die Angst vor dem Netz­spiel, beson­ders vor dem Vol­ley neh­men. Sie hat unge­heu­ren Respekt vor dem Flug­ball, weil sie in einer ihrer ers­ten Trai­nings­stun­den mal einen Ball ziem­lich schmerz­haft direkt ins Gesicht bekom­men hat. Sie äußert immer wie­der den Wunsch, das Netz­spiel erler­nen zu wol­len, zieht sich aber nach jedem offen­si­ven Schlag aus dem Halb­feld wie­der an die Grund­li­nie zurück. Mei­ne Toch­ter ist 13, recht groß gewach­sen und spielt von der Grund­li­nie sehr aggres­siv. Netz­at­ta­cken wären also oft mög­lich. Das weiß sie auch. Hof­fe, Du kannst helfen?!

Ste­phan Medem: Es ist unbe­dingt not­wen­dig, dass Dei­ne »gro­ße« Toch­ter nach ihren aggres­si­ven Grund-und Mit­tel­feld­schlä­gen zum Netz durch­läuft, um den Druck auf die Geg­ne­rin zu erhö­hen und Punk­te abzu­schlie­ßen. Dazu müsst Ihr natür­lich sehr vie­le Vol­leys, nicht nur iso­liert, son­dern vor allem in der Kom­bi­na­ti­on mit Angriffs­bäl­len üben, üben und noch­mals üben, um Ver­trau­en auf­zu­bau­en. Um die Blo­cka­de zu lösen, die Dei­ne Toch­ter noch von »ihrem Abschuss« mit sich her­um­trägt, könn­te fol­gen­de Vor­ge­hens­wei­se hilf­reich sein (hat bei mir schon etli­che Male mit gro­ßem Erfolg funk­tio­niert): stel­le sie ans Netz, wich­tig, sie soll­te den Schlä­ger mit der Rück­hand, ger­ne auch beid­hän­dig, wie einen Schild vor ihrem Kör­per hal­ten (das funk­tio­niert aus phy­sio­lo­gi­schen Grün­den mit der Vor­hand nicht!). Jetzt beginnst Du, von der ande­ren Auf­schlag­li­nie aus, Bäl­le direkt auf Ihren Kör­per zu spie­len. Von Knie­hö­he bis Kopf­hö­he ist alle erlaubt. Sie soll nur ver­su­chen, die Bäl­le abzu­weh­ren und dabei zu schau­en, dass die Kugeln irgend­wie noch auf die geg­ne­ri­sche Spiel­feld­hälf­te fal­len. Erhö­he lang­sam den Druck Dei­ner Bäl­le. Sie wird sehr schnell fest­stel­len, dass sie kei­ne Angst mehr zu haben braucht, da sie mit die­ser »Schild­tech­nik« jeden Ball abweh­ren kann. Soll­te der Fall ein­tre­ten, dass sie aus Angst zurück­weicht, so müss­test Du die Übung so begin­nen, dass sie erst ein­mal mit dem Hin­tern an einer Wand steht und du sie aus ca. fünf bis sie­ben Metern Distanz »unter Beschuss« nimmst. Wich­tig, lang­sam begin­nen, erst ein­mal etwas Selbst­ver­trau­en auf­bau­en und danach den Druck suk­zes­si­ve erhö­hen. Viel Spaß euch beiden!

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