Serena Williams
© Jürgen Hasenkopf

Userfrage: „Hallo Stephan! Ich möchte meiner Tochter die Angst vor dem Netzspiel, besonders vor dem Volley nehmen. Sie hat ungeheuren Respekt vor dem Flugball, weil sie in einer ihrer ersten Trainingsstunden mal einen Ball ziemlich schmerzhaft direkt ins Gesicht bekommen hat. Sie äußert immer wieder den Wunsch, das Netzspiel erlernen zu wollen, zieht sich aber nach jedem offensiven Schlag aus dem Halbfeld wieder an die Grundlinie zurück. Meine Tochter ist 13, recht groß gewachsen und spielt von der Grundlinie sehr agressiv. Netzattacken wären also oft möglich. Das weiß sie auch. Hoffe, Du kannst helfen?!“

Hallo Marcel!

Es ist unbedingt notwendig, dass Deine »große« Tochter nach ihren aggressiven Grund-und Mittelfeldschlägen zum Netz durchläuft, um den Druck auf die Gegnerin zu erhöhen und Punkte abzuschließen. Dazu müsst Ihr natürlich sehr viele Volleys, nicht nur isoliert, sondern vor allem in der Kombination mit Angriffsbällen üben, üben und nochmals üben, um Vertrauen aufzubauen. Um die Blockade zu lösen, die Deine Tochter noch von »ihrem Abschuss« mit sich herumträgt, könnte folgende Vorgehensweise hilfreich sein (hat bei mir schon etliche Male mit großem Erfolg funktioniert): stelle sie ans Netz, wichtig, sie sollte den Schläger mit der Rückhand, gerne auch beidhändig, wie einen Schild vor ihrem Körper halten (das funktioniert aus physiologischen Gründen mit der Vorhand nicht!). Jetzt beginnst Du, von der anderen Aufschlaglinie aus, Bälle direkt auf Ihren Körper zu spielen. Von Kniehöhe bis Kopfhöhe ist alle erlaubt. Sie soll nur versuchen, die Bälle abzuwehren und dabei zu schauen, dass die Kugeln irgendwie noch auf die gegnerische Spielfeldhälfte fallen. Erhöhe langsam den Druck Deiner Bälle. Sie wird sehr schnell feststellen, dass sie keine Angst mehr zu haben braucht, da sie mit dieser »Schildtechnik« jeden Ball abwehren kann. Sollte der Fall eintreten, dass sie aus Angst zurückweicht, so müsstest Du die Übung so beginnen, dass sie erst einmal mit dem Hintern an einer Wand steht und du sie aus ca. fünf bis sieben Metern Distanz »unter Beschuss« nimmst. Wichtig, langsam beginnen, erst einmal etwas Selbstvertrauen aufbauen und danach den Druck sukzessive erhöhen. Viel Spaß euch beiden!

Stephan Medem

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Stephan Medem war einst ATP-Weltranglistenspieler und langjähriger Coach auf der WTA-Tour, unter anderem von Barbara Rittner und Karina Habsudova. Viele Jahre spielte er sehr erfolgreich in der deutschen Tennis-Bundesliga, heute ist er nicht minder erfolgreich als Trainer, Speaker und Bestseller-Autor unterwegs. Zu seinen aktiven Zeiten war »Steph« übrigens Sparringspartner von nahezu allen Tennisgrößen, bis hin in die Top-Ten. Als Experte der allerersten Stunde steht »Steph« den Usern auf »Tennisredaktion.de« als Fachmann für »Mentales« zur Verfügung und ist darüber hinaus ein perfekter Ratgeber in Elternfragen.

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